Checkliste: Ausrüstung

Herzlichen Glückwunsch! Du bist jetzt bereit für die erste Clickerübung mit deinem Pferd. Dazu brauchst du nur wenige Dinge. Mit dieser Checkliste kannst du nichts vergessen!

Du benötigst:

✓ dein Pferd
✓ einen sicheren Arbeitsbereich
✓ abgezählte Leckerchen
✓ deine Futtertasche
✓ deinen Clicker (oder dein jeweiliges Markersignal)
✓ einen Futtereimer mit Leckerchen-Nachschub
✓ ein normales Stallhalfter

Knotenhalfter und andere Zäumungen eignen sich für diese Übung nicht oder nur sehr eingeschränkt. Sie sind in diesem Fall auch nicht notwendig. Ein einfaches und gut sitzendes Stallhalfter reicht vollkommen aus.


Hast du mit deinem Pferd bereits das Füttern aus der Hand geübt und ausprobiert, ob es Angst vor dem Clickgeräusch hat? Wenn nicht, dann ist jetzt der richtige Moment dafür!

Achte dabei darauf, den Clicker zunächst in einiger Entfernung von deinem Pferd auszuprobieren. Dein Pferd kann sich vor dem unbekannten Geräusch erschrecken.


Der Halftergriff – Übungsaufbau

Warum der Halftergriff?

Es gibt viele Möglichkeiten, deinem Pferd die Bedeutung von Click und Futter zu erklären. Die wohl bekannteste ist der Einstieg über das Berühren eines Gegenstandes, eines so genannten Targets. Was das ist und wie du das trainierst, erfährst du im dritten Modul dieses Kurses.

Da es mir bei diesem Kurs ein ganz persönliches Anliegen ist, dir von Anfang an Übungen an die Hand zu geben, die dir und deinem Pferd auch langfristig etwas bringen – ganz egal ob du mit dem Clickertraining weiter machst oder nicht – möchte ich dir an dieser Stelle eine andere Übung vorstellen: den so genannten Halftergriff.

Dabei stehst du neben deinem Pferd oder schräg vor ihm, wenn ihr mit Hilfe einer Absperrung arbeitet. Mit der Hand, die deinem Pferd zugewandt ist – also wenn dein Pferd rechts von dir steht, die rechte Hand – greifst du entspannt in das Halfter deines Pferdes. In dem Moment, in dem es den Kopf ruhig hält – also wenn du keinen Zug am Halfter spürst – clickst du, lässt das Halfter los und fütterst mit der linken Hand ein Leckerchen. Den Clicker hast du dabei am besten mit einem Band am linken Handgelenk oder der Hose befestigt, sodass du mit der linken Hand abwechselnd clicken und fütttern kannst.

So sieht die Übung in der Kurzfassung aus. Darauf, wie du auf verschiedene Reaktionen eingehen kannst, gehe ich weiter unten auf dieser Seite ein. Zuerst möchte ich dir aber noch erklären, warum diese Übung in meinen Augen sinnvoll ist.

Das lernst du bei dieser Übung

Du lernst, ein klares Kriterium für einen Click zu erkennen. Das Umschließen des Halfters mit deiner Hand ist dein Signal dafür, zu clicken. Du lernst, auch wieder loszulassen. Denn schließlich kannst du nicht erneut in das Halfter greifen, wenn du es noch in der Hand hast! Es gibt also ein Signal dafür, wann dein Pferd sich einen Click verdienen kann (deine Hand am Halfter) und wann es sich darauf konzentrieren kann, sein Futter zu fressen (deine Hand nicht am Halfter). Außerdem gönnst du euch beiden dadurch viele kleine Pausen.

Das lernt dein Pferd bei dieser Übung

Sich vom Menschen am Halfter berühren zu lassen, ist eine tolle Sache! Viel zu viele Pferde lernen die Hand des Menschen in Kopfnähe als etwas Unangenehmes kennen, wenn sie oft ungefragt berührt werden oder schon schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Wenn dein Pferd keine schlechten Vorerfahrungen hat, wird es diese Übung einfach genießen, da es viele Leckerchen für ein sehr einfaches Verhalten gibt. Wenn es jedoch bereits kopfscheu ist, kannst du mit Hilfe dieser Übung seine Lebensqualität deutlich verbessern.

Weitere Vorteile der Übung

Ich möchte ein Pferd jederzeit am Halfter nehmen können, wenn zum Beispiel mal der Strick gerissen ist oder ich ein davongelaufenes Pferd einfangen möchte. Ich möchte ein Pferd sanft am Kopf fixieren können, um die Augen zu behandeln oder Verletzungen zu untersuchen, ohne dass es dabei in Panik gerät. Ich möchte in der Lage sein, den Kopf meines Pferdes fein in verschiedene Bewegungen führen zu können (z.B. in die Stellung oder das Kopfsenken), ohne dass es durch meine Hand am Kopf in eine Abwehrhaltung gerät. Bei all diesen Punkten hilft mir ein gut trainierter Halftergriff!

FOTO HALFTERGRIFF

Hilfe, mein Pferd ist kopfscheu!

Wie immer im Training reagiert natürlich jedes Pferd anders. Im letzten Abschnitt dieser Seite möchte ich dir einen Überblick über mögliche Probleme geben und wie du damit umgehen kannst.

Dein Pferd reißt den Kopf nach oben, wenn du in Richtung Halfter greifst: Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass diese Übung noch zu schwer ist. Du kannst ausprobieren, bis zu welcher Position deiner Hand dein Pferd den Kopf noch ruhig halten kann, und diese Annäherung clicken. Alternativ kannst du mit der Targetübung aus dem nächsten Modul beginnen und später noch einmal zu dieser Übung zurück kommen.

Dein Pferd wendet den Kopf ab, wenn du in Richtung Halfter greifst: Auch in diesem Fall teilt dir dein Pferd seine Zweifel mit. Halte einen Moment inne und bewege deine Hand nicht weiter. Sobald dein Pferd sich dir wieder ein Stück zuwendet, clicke das, lass die Hand sinken und gib ihm ein Leckerchen. So zeigst du ihm, dass du seine Bedenken ernst nimmst und es sich frei entscheiden kann. Lässt dein Pferd seinen Kopf jedoch betont abgewandt, dann nimm die Hand kurz herunter, gönn euch beiden eine kleine Pause und frage anschließend erneut mit einer etwas kleineren Bewegung.

Dein Pferd hält den Kopf nicht still: Wenn dein Pferd seinen Kopf bewegt, sobald du ins Halfter greifst, gibt es zwei Möglichkeiten. Ist die Bewegung so stark, dass du gegenhalten musst, dann lass los und clicke zunächst einmal die Annährung deiner Hand an das Halfter, wie im vorherigen Punkt beschrieben. Guckt es nur durch die Gegend oder senkt den Kopf? Dann versuche einfach, eine sanfte Verbindung zum Halfter zu halten (lass deine Hand vom Pferd bewegen) und clicke, sobald dein Pferd einen Moment inne hält.

Dein Pferd schnappt nach deiner Hand: Überprüfe zunächst einmal deine Futtertechnik. Achte darauf, nicht mit derselben Hand zu füttern, mit der du ins Halfter greifst. Vielleicht kann dein Pferd nicht sicher unterscheiden, ob du ins Halfter greifen oder füttern möchtest. Schnappt es nach deiner Hand, um dich daran zu hindern, das Halfter zu berühren, gelten dieselben Schritte wie in den vorherigen Punkten. Nähere dich mit der Hand langsam an, clicke, solange dein Pferd noch entspannt sein kann, lasse die Hand wieder sinken und gib deinem Pferd sein Leckerchen.

Aber lernt das Pferd so nicht zu schnappen oder den Kopf wegzuziehen? Darf es damit durchkommen? Wenn dein Pferd die oben beschriebenen Reaktionen zeigt, hat es sie bereits in der Vergangenheit gelernt. Es liegt jetzt an dir, ihm zu zeigen, dass diese Abwehrreaktionen nicht notwendig sind, da du auch vorher schon auf die feinen Signale achtest. Im ersten Schritt lernt dein Pferd, dass es deine Hand stoppen kann, indem es sich abwendet. Das ist schonmal deutlich besser als den Kopf hochzureißen oder zu schnappen. Anschließend kannst du die Entfernung zwischen Hand und Halfter Schritt für Schritt verringern. Wenn du dabei auf dein Pferd hörst, gehören die beschriebenen Abwehrreaktionen bald der Vergangenheit an!

Der Halftergriff im Trainingsalltag

Zum Ende dieser Einheit zeige ich dir ein Video vom Medical Training mit meiner Stute Chance. „Medical Training“ ist der Oberbegriff für alle Übungen, die im Zusammenhang mit der Gesundheit deines Tieres stehen. Dazu gehören Untersuchungen, Spritzen, Verbände und vieles mehr. Im folgenden Video üben wir den Umgang mit einer Maulspritze. Dabei greife ich immer wieder in das Halfter meiner Stute, um diesen Griff für sie zu einem normalen Bestandteil der Aufgabe zu machen – und auch, um etwas darüber zu erfahren, wie entspannt und sicher sie mit der Übung ist.

Eine ausführliche Beschreibung, was ich wann und warum genau mache, findest du im dazugehörigen Blogbeitrag: http://www.clickertiere.de/themen/clickertraining/medical-training-maulspritze . Lass dich dabei nicht von den verwendeten Begriffen abschrecken, diese gehören zu fortgeschritteneren Trainingskonzepten.

Das folgende Video ist sehr lang. Du kannst dir an einer beliebigen Stelle des Videos 2-3 Wiederholungen ansehen. Das reicht aus, um einen Eindruck vom Übungsaufbau zu bekommen.